Erinnern Sie sich daran, besprüht worden zu sein?

Das fragt man heute, nach vielen Jahrzehnten. Und wenn ja, dann schreiben Sie doch bitte an die Soziologin Leisa Zigman (lzigman@ksdk.com), sagt der Sprecher in einer TV-Nachricht mit Blick auf die Army’s secret Cold War experiments on St. Louisans. Denn über St. Louis in den USA hatten in den 50er und 60er Jahren supergeheime Sprühaktionen stattgefunden, bei denen Menschen ohne ihr Wissen als Versuchskaninchen benutzt worden sind. Ja, dazu sind westliche Regierungen in der Lage. Dämmert Ihnen etwas?

Man hätte wohl kaum Freiwillige finden und dazu auffordern können, Zink-Cadmium-Sulfid mit radioaktiven Partikeln einzuatmen, um anschließend die Wirkung auf die Lungen zu untersuchen. Flugzeuge versprühten daher die Substanzen auf die ahnungslose Bevölkerung von St. Louis, die ebenso wenig informiert worden war wie ihre Stadtverwaltung.

Die stärkste Vergiftung erfolgte in einem Stadtbezirk, in dem ca. 10.000 Geringverdiener lebten. Der Anteil der Kinder in dieser Bevölkerungsgruppe wurde mit etwa 70 Prozent angegeben. Wer sich an diese Sprühaktionen erinnern kann, wird heute aufgefordert,  sich zu melden, um darüber zu berichten.

Ob man dies nach weiteren 50 oder 60 Jahren, wenn die Verantwortlichen unter der Erde liegen, auch unsere noch lebenden Kinder fragen wird?

Hier erhalten Sie mehr Informationen darüber: CorpGov Lied: Chem-Sprayed Civilians in the 1960s

Das dazugehörige Untersuchungspapier ist in englischer Sprache öffentlich zugänglich.

Und dies war beileibe kein Einzelfall:

Die renommierte britische Zeitung The Observer berichtete am 21.04.2002, dass das britische Verteidigungsministerium zwischen 1940 und 1979 in geheimen Versuchen Millionen von Briten mit Bio-Waffen besprüht hat. Diese Tests beinhalteten die Freisetzung potenziell gefährlicher Chemikalien und Mikroorganismen über weite Teile der Bevölkerung – ohne der Öffentlichkeit davon zu berichten. Dies zeigt eindrucksvoll, dass das Besprühen der Bevölkerungen in Europa mit toxischen Stoffen durch Flugzeuge eben keine Science-Fiction darstellt.

Update vom 02.10.2012:

Am 01.10.2012 ist auch auf Heise.de ein Beitrag hierzu erschienen.