Ein Mitstreiter hatte am Dienstag eine Anfrage an den WDR geschickt, weil am Vormittag im Rahmen des Wetterberichts von einer extrem trockenen Wetterlage gesprochen wurde. Seine Frage war, wie dann die vielen langen Kondensstreifen entstehen können.

Die Antwort des Wettermanns vom WDR  lautete wie folgt:

Derzeit haben wir bodennah eine trockene Nordostströmung, in Höhen ab 5000 Meter jedoch eine südwestliche bis westliche Komponente, mit der etwas feuchtere Luft von der Biskaya herankommt. Deshalb sind immer wieder auch Schleierwolken in größeren Höhen vorhanden und die Kondensstreifen der Flugzeuge halten sich lange. Normalerweise würde dies auf einen Wetterwechsel hindeuten, aber in diesem Fall bleibt es stabil.“

Aha, ab 5.000 Meter gäbe es etwas feuchtere Luft. Die Luft muss dort oben aber nicht nur etwas, sondern extrem viel feuchter sein,  damit es zu einem so schmierigen Himmel kommen kann. In dieser Antwort wird somit wie immer auf die Luftfeuchtigkeit verwiesen, ohne diese konkret zu benennen. Es wird wie immer verschwiegen, dass sich Kondensstreifen nur in so genannten „eisübersättigten Regionen“ mit weit über 100 Prozent relativer Luftfeuchte am Himmel halten und ausbreiten können. „Eisübersättigte Regionen“ kommen aber in unseren Breiten nur äußerst selten vor. Dennoch können wir dieses Phänomen seit Jahren nahezu täglich am Himmel beobachten.

Verschwiegen wird – wie immer – auch, dass es einhellige Meinung in der Wissenschaft ist, dass sich Cirrus-Wolken aus Kondensstreifen erst im zweiten Anlauf bilden. Man spricht insoweit vom „Zweiten Leben der Kondensstreifen„. Danach gehen Kondensstreifen nicht direkt in Cirrus-Wolken über. Das, was wir tagtäglich am Himmel über unseren Köpfen erleben, verstößt daher gegen die Grundregeln der Physik – sofern diese Streifen tatsächlich Kondensstreifen wären.

Lassen Sie sich daher bitte von Spiegel Online keinen Bären aufbinden.

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