Was auch immer diese Gruppe von thailändischen Jugendfussballern mit ihrem Trainer am 23. Juni bewegt hatte, in der Regenzeit in dieses riesige Höhlensystem zu steigen. Nun sind sie dort vom Wasser gefangen. Und ausgerechnet 12 Jungs und 1 Trainer, worauf auch viele Medien ständig herumreiten. Aber darum soll es jetzt wirklich nicht gehen.

Die Jungs sollen nun samt Trainer nach heutigem Wissensstand den Ausweg über das geflutete Höhlensystem nehmen (siehe Grafik). Dabei sollen sie auf mehreren Strecken unter Wasser tauchen (ca. 1 km insgesamt, also eine lange Tauchstrecke). Inzwischen eingefunden haben sich dort spezielle Rettungstaucher aus Australien und Europa. Das sind sozusagen absolute Spitzentaucher, die auch ohne Sicht im Morast tauchen und „arbeiten“ können. Ein thailändischer Rettungstaucher kam gestern tragischerweise ums Leben. Er brachte Sauerstoff zu der „gefangenen“ Gruppe in die Höhle. Auf dem Rückweg soll er das Bewusstsein verloren haben. Es sei ihm die Luft ausgegangen oder seine Ausrüstung sei beschädigt worden. Wenn es stimmt, dass einzelne Passagen nur ca. 40 cm breit sein sollen, dann kann man sich dort natürlich – bei faktisch nicht vorhandener Sicht – leicht das Tauchequipment beschädigen, so dass es einem das Ventil der Flasche samt Luft „um die Ohren hauen“ kann. Denn dieser Taucher war ein ehemaliger Spezialist von den Navy Seals, und denen geht normalerweise nicht einfach die Luft unter Wasser aus, weil sie das stetig im Blick haben. Und damit wären wir schon beim großen Problem angekommen, nämlich dem des „im Blick haben“. In einer solchen Situation, in denen mehrere Kilometer in einem sich abwechselnd entweder teilweise oder ganz überfluteten Höhlenlabyrinth zurückzulegen sind, da fehlt – zumindest den zuerst am Ort anwesenden Tauchern – der „Überblick“. Gerade der Zeitfaktor „vorhandene Luft im Tank“ kann hierbei leicht unterschätzt bzw. einem zum Verhängnis werden. Oder es kommt auf der Strecke zu unvorhergesehenen Problemen, die mehr Zeit als geplant und damit auch mehr Luft benötigen. Denn wenn ein ehemaliger Profitaucher dort stirbt, dann ist das natürlich kein gutes Zeichen, zumal einige der Kinder nicht einmal schwimmen können. Und sie haben viel Kraft verloren. Sie wurden erst nach vielen Tagen von Tauchern gefunden. Nun werden sie aufgepäppelt und von den Rettungstauchern in die Aktion eingeweiht mit Tauchübungen etc. Dass bereits ein Rettungstaucher tödlich verunglückt ist, hat man ihnen offenbar aus psychologischen Gründen nicht gesagt. Das ist wohl auch gut so.

Das Zeitfenster für die Rettungsaktion soll knapper werden, da neue starke Regenfälle drohen. Und dieser Regen sickert durch den Kalkstein exakt in dieses Höhlensystem hinein. Es soll somit zusätzlich auch noch Zeitdruck bestehen. Bereits jetzt wird so viel Wasser aus dem Höhlensystem gepumpt, wie es möglich ist. Aber die Kinder und ihr Trainer sind sehr weit vom Eingangsbereich der Höhle entfernt. Man sagt, es seien ca. 4,5 Kilometer (siehe Grafik). Das ist eine enorme Strecke in einer halb überfluteten Höhle. Zwei der Jugendlichen sollen auch zu erschöpft sein für eine derartige Rettungsaktion. Wir wollen das allerbeste hoffen. Aber es wird extrem schwer werden. Das wissen nicht nur erfahrene Taucher, die das niemals freiwillig tun würden. Und wenn ein paar Kinder auf dem Weg Panik bekommen sollten, allein wegen Platzangst, dann ist die gesamte Gruppe samt Rettungskräften in Gefahr. Und weil die Gefahr so gewaltig groß ist, kamen diese erfahrenen Spezialtaucher aus der ganzen Welt, die ihr eigenes Leben riskieren. Einer der Taucher bezeichnete den engen und verwinkelten Schacht, der zu den Kindern führt, und das braune Wasser mit schlechter Sicht als äußerst klaustrophobisch.

Wir drücken jedenfalls die Daumen und freuen uns, dass da wirklich gut geholfen wird und dass Australien und Europa seine besten Taucher geschickt hat, um die Thailänder zu unterstützen. Wenn die es nicht schaffen sollten, dann hätten es wohl auch keine anderen geschafft. Die Retter sind da! Es kommt somit auf die Jungs an, ob sie ihre Nerven auf dem langen Weg behalten. Es kommt auf ihre Nerven an. Also Daumen drücken!

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Sofern die Jugendlichen samt Trainer wirklich diesen Weg aus der Höhle nehmen müssen, dann wird das wohl wie folgt ablaufen. Es wird mit einem langen Seil operiert. An dieses Seil werden sich die Rettungstaucher und die Jugendlichen nacheinander ketten. Die Rettungstaucher sind im Rahmen dieser Kette auf ganz vorne und hinten und zwischen den Jugendlichen verteilt. Diese werden wohl nicht selbstständig tauchen. Man wird ihnen die Luft mit der Hand reichen, so dass diese unter Wasser „nur“ atmen und in der Kette bleiben müssen. Unter Umständen wird die Gruppe bei dieser Aktion aufgeteilt oder auch mit den Kindern jeweils einzeln getaucht. Das kann man nur vor Ort einschätzen. Je größer die Gruppe ist , desto mehr Probleme gibt es in der Regel auch. Bei den Engstellen wird es sehr kritisch werden, allein wegen des Staus und Platzangst. Aber auch wegen der dort vorhandenen Strömungen. An diesen Stellen muss äußerst sorgfältig vorgegangen werden. Und darauf werden sich die Rettungstaucher bereits jetzt speziell vorbereiten. Bei den Strecken, bei denen nicht getaucht werden muss, könnten sich die Kinder etwas erholen und gebrieft werden für die noch folgenden Tauchpassagen. Mit dieser Strategie könnte es theoretisch funktionieren, solange keine Panik unter den Kindern ausbricht oder andere (unerwartete) Dinge geschehen wie Einsturz von Höhlenwänden etc..

Das Tauchen in Höhlensystemen stellt generell die höchsten Ansprüche an Taucher. Zum einen kann dort die Sicht auf „Null“ reduziert sein. Zudem sind die Örtlichkeiten oft sehr beengend und die Hindernisse meist kantig und unregelmäßig vorhanden. Man kann sich dort auch verirren. Zudem ist es schwer, im engen und wechselnden Raum die eigene Tiefe einzuschätzen bzw. zu regulieren. Bei Problemen kann nicht so einfach aufgetaucht werden. Höhlentauchen ist daher immer gefährlich, selbst wenn das Wasser glasklar sein sollte, wie es in Höhlensystemen in Mexiko bei Yucatan der Fall ist. Aber auch dort wird mit Seilen auf meist vorgegebenen Routen operiert und nur erfahrene Taucher sollten dies machen. Viele der tödlichen Tauchunfälle geschehen nicht umsonst an schrägen Steilwänden von Seen, wo es ähnliche Probleme geben kann.

Der „Weiße Hai“ ist hiergegen und generell relativ harmlos:

Der arme Weiße Hai aus dem Mittelmeer

Hat Steven Spielberg Angst vor dem Weißen Hai?

Fais-le bien, ma petite chérie – Von Tauben, Delpinen, Haien und Menschen

Update vom 7.7.2018:

Erfahrene Taucher haben, ob in Deutschland oder den USA, massive Bedenken an einer derartigen Rettungsaktion geäußert. Diese teilen wir. Denn wenn es zu Panikanfällen bei Kindern kommt, dann wird das unweigerlich schief gehen. Und die Retter sind dann ebenso in Gefahr. Menschen, die beim Tauchen Panik bekommen, schlagen in der Regel wild um sich – und dies in engen Schächten. Dies könnte auch passieren, wenn man mit den Kindern einzeln taucht und sie an der Hand nimmt. Daher ist die Entscheidung wohl auch noch nicht gefallen. Man ist sich unsicher, weil man das Verhalten der Kinder auf dem Weg nicht vorhersehen kann, selbst wenn sich die Rettungstaucher optimal verhalten sollten. Um diese Situation bestehen zu können, müssten sich somit Retter und Kinder nahezu optimal verhalten – und dies bei diesen extremen Bedingungen.

Update vom 8.7.2018:

Offiziellen Angaben zufolge soll die Rettung begonnen haben. Man habe sich entschieden, mit jedem Jugendlichen einzeln zu tauchen. Dabei werden diese jeweils von zwei Rettungstauchern begleitet. Dies ist eine gute Entscheidung, denn wenn ein Kind Panik bekommen sollte, dann kann es andere Kinder nicht gefährden. Zwei Taucher, einer vorne und einer hinten, könnten unter Umständen ein panisches Kind stabilisieren und wieder zum Atmen bringen. Es wird somit der „sicherste“ Weg der „Tauchalternative“ gewählt. Die Kinder werden wohl nicht selbstständig tauchen. Man wird ihnen die Luft mit der Hand reichen. Im Optimalfall sollten sich diese ganz ruhig verhalten und einfach „nur“ durch das Gerät atmen. Alles andere erledigen die Taucher, die den Weg inzwischen gut kennen bzw. studiert und ihre speziellen Erfahrungen auf dieser Strecke ausgetauscht haben. Knapp 20 Taucher beteiligen sich an der Rettung. Drücken wir die Daumen, da es aufgrund der langen Distanz, die getaucht werden muss (siehe Grafik), schwer werden wird.

Ein bekannter Höhlentaucher und -forscher meinte, diese Sache hätte, egal wie sie ausginge, schon ganz besondere „Helden“, nämlich die ersten beiden Taucher, laut BBC spezialisierte Höhlentaucher aus England, welche die Kinder fanden. Und in der Tat waren diese in den beengensten Verhältnissen, die man sich vorstellen kann, in einer Höhle, die gar keine „normale“ Tauchhöhle ist, sondern eine trockene, die überflutet wurde, in das stockfinstere und ungewisse Nichts getaucht, um zu suchen (siehe auch diese Grafik). Und sie haben die Kinder gefunden (und auch extrem beruhigen können), und sogar den Rückweg überlebt. Er wies zudem zurecht darauf hin, dass in solchen Situationen nur die „Ruhe“ zähle. Die Militärs, welche die dortige Führung besäßen, würden hingegen zu „Hau-Ruck-Aktionen“ neigen. Er sprach daher auch als Option an, die Regenzeit abzuwarten und ein Konzept zu entwickeln, die Kinder in dieser Zeit bei Laune zu halten. Aber nun hat die extrem schwierige Rettung begonnen. Und jeder Taucher, der es schafft, ein Kind bei diesen Verhältnissen herauszuholen, ist ebenso ein „Held“.

Diese Grafik lässt einen noch etwas skeptischer werden, sofern diese stimmen sollte. Denn zunächst war die Rede davon, dass es zwischendurch Stellen gäbe, an denen nicht getaucht werden müsste. Nach dieser Grafik schaut es jedoch so aus, als wäre dies ein durchgehendes Stück. Und dieses ist sehr lang und hat zahlreiche „Schikanen“ bzw. Hindernisse parat, wie man es auf dieser Grafik sehen kann. Allerdings steht auf der Grafik selbst dazu „mehrheitlich geflutet“. Die Taucher werden es wissen und das Risiko bewertet haben. Sie trauen es sich offenbar zu, sonst würden sie es nicht tun.

Update vom 8.7.2018:

Vier Jungs sollen es schon geschafft haben, heißt es ganz aktuell. Es sollen die Schwächsten in der Gruppe gewesen sein. Gut, dass man mit diesen gestartet ist. Das bedeutet, die Taucher haben es offenbar im Griff.

Update vom 8.7.2018:

Für heute bleibt es dabei: Vier Jungs haben es schon geschafft. Die Rettung wurde unterbrochen, um sich auf die Bergung der übrigen Kinder optimal vorbereiten zu können. Einzelheiten wurden ganz aktuell bekannt. Die Jungs wurden medizinisch betäubt, damit sie nicht in Panik geraten. Dies sagte ein dänischer Taucher, der in Thailand eine Tauchschule besitzt und sich als geübter Höhlentaucher dem Team von Rettungstauchern freiwillig angeschlossen hatte. Die Kinder seien jedoch nicht vollständig anästhesiert gewesen, sondern nur soweit, dass sie nicht in Panik geraten konnten. Dies ist genau das, was wir oben geschrieben hatten. Nur die absolute Ruhe kann die Kinder retten. Die Taucher erledigen alles für die Kinder. Panik auf der Strecke wäre eine Katastrophe für alle Beteiligten und würde auch die Taucher in Gefahr bringen. Diesem Risiko konnte durch die „Betäubung“, so krass wie das für manche klingen mag, begegnet werden. Wir wollten oben schon schreiben, dass eine hohe Dosis Baldrian für die Kinder eine gute Vorbereitung wäre. Die Retter haben somit bisher alles prima gemacht – und die vier Kinder auch. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Update vom 9.7.2018:

Nach aktuellen Angaben von CNN sollen Augenzeugenberichten zufolge vier weitere Jungs gerettet worden sein. Das ist noch nicht amtlich. Wenn das stimmen sollte, dann haben die Taucher das im Griff. Aber noch sind nicht alle draußen.

Eine Mischung aus Militärtauchern der Thai NavySeals, Rettungstauchern aus Australien, britischen Höhlentauchern und anderen Spezialtauchern insbesondere aus Kanada, Dänemark und Finnland bahnt sich den Weg durch das enge, stockfinstere und überflutete „Gesteins-Wirrwarr“ zu den Kindern. Auf diesem Bild kann man gut das bereits oben angesprochene Seil erkennen, das „installiert“ wurde und aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse, der starken Strömungen und der sonstigen vielen Gefahren, die dort auf dieser langen Strecke warten, nicht nur den Kindern, sondern auch den Rettungstauchern als Orientierung und zur Unterstützung dient. Man sieht zudem recht deutlich, dass das Equipment auf das nötigste beschränkt bzw. „schmal“ gehalten ist – wohl wegen der besonders beengenden Örtlichkeiten und Engpässe. Ein beteiligter Taucher sprach im Vorfeld davon, dass man an mindestens einer Stelle sogar den Tank abschnallen müsste, um durchzukommen. Die Körpersprache dieser beiden Taucher, so unterschiedlich sie ist, dürfte zeigen, dass diese wissen, dass sie eine schwierige Mission zu erfüllen haben.

Update vom 9.7.2018:

Nun ist es offiziell. Acht Kinder wurden bisher gerettet. Ob dies nun die schwächsten oder stärksten der Jungs waren, wie sich die Medien widersprechen, spielt dabei keine Rolle. Auch dürften es keine „140 Taucher“ sein, wie Medien berichten. Vermutlich beläuft sich die Anzahl der Rettungskräfte in der Höhle auf diese Zahl. Die Taucher legen nach ihrem zweiten großen Erfolg erneut eine (ebenso verdiente) Pause ein, um sich und die Strecke optimal auf den letzten Einsatz vorzubereiten. Unter den extra aus Australien eingeflogenen Rettungstauchern befindet sich übrigens auch ein Notfall-Arzt, der sofort „Erste Hilfe“ leisten könnte. Die denken an alles! Hut ab vor diesen Tauchern und den Kindern.

Update vom 10.7.2018:

Die Rettung geht in ihre letzte Phase. Taucher, die an der Rettung beteiligt sind, beschreiben tückische Bedingungen, wobei sich schnell fließendes Flachwasser durch sehr enge Passagen bewege:

Das ist die härteste Mission, die wir je gemacht haben. Je niedriger das Wasser wird, desto stärker ist die Strömung. Es ist jetzt stärker. Jeder Schritt der Raumgewinnung ist riskant“, sagte Narongsuk Keasub, ein Taucher für die Electricity Generating Authority of Thailand. Er gehört zu einer Gruppe von Tauchern, deren Aufgabe es ist, Lufttanks für die Rettungstaucher in die Tunnel zu transportieren. Er sagte dies ganz aktuell gegenüber CNN. Die Rettungstaucher seien jedenfalls konfrontiert mit einer Reihe von großen Herausforderungen.

Update vom 10.7.2018:

Ganz aktuell wurde bekannt, dass die beiden britischen Höhlentaucher, welche die Kinder gefunden hatten (siehe oben), die schwierige Tauchaktion leiten würden. Dies bedeutet, dass die Thai NavySeal, d.h. das Militär, die Führung abgegeben haben. Es handelt sich um die britischen Profi-Höhlentaucher Richard Stanton und John Volanthen. Diese hätten die australischen Spezialtaucher, allen voran den Arzt Richard Harris, mit ins Team geholt. Es bestätigt sich somit, was wir geschrieben hatten. Es wurden für diese Aktion passend die besten Taucher geholt. Nur so ist diese Rettung auch möglich (CNN: „World’s leading cave divers came together to save trapped Thai boys“). Diese Gruppe von Spezialtauchern wird auch unter Wasser die zur Rettung der Kinder notwendigen Schritte unternehmen. Die übrigen Taucher werden dabei unterstützend tätig („Sicherungen“ einbauen, Logistik bereit halten etc.). Da man diesen Kern von Tauchern nicht „ersetzen“ kann, waren wohl auch die Pausen notwendig, die zunächst Raum für Spekulationen gegeben hatten.

 

Update vom 10.7.2018:

Es ist geschafft! Alle sind draußen, meldete die Thai NavySeal gerade eben. Das „Wunder“ von Thailand ist damit vollbracht. Die „Geretteten“ waren tapfer. Die Retter waren grandios. Aber wer schon einmal spezielle Rettungstaucher unter Wasser (bei einer Übung) erlebt hat, weiß, dass diese dort mit ihrer einmaligen Ruhe (siehe dazu auch noch unten) „Wunder“ vollbringen können. Diese Ruhe strahlt auch aus und wirkt auf andere extrem beruhigend, was bestimmt auch die geretteten Kinder bestätigen werden können. Jeder Fehler kann unter derartigen Bedingungen tödlich sein, und manchmal wünscht man sich, dass Menschen über Wasser sich auch so verhalten würden. Dort kann man sich aber alles erlauben. Daher auch die „Bewunderung“ dieser Extremtaucher, die hier durch diese Zeilen drang und – neben dem damals noch ungewissen Schicksal der Kinder – auch zu diesem Beitrag ermutigte. Und diese Taucher retten faktisch – wie hier – in schier aussichtslosen Situationen Menschenleben und tauchen nicht nur zum Vergnügen und aus Eigensucht, wie es die meisten anderen Taucher tun. 

Und so hart, wie es klingen mag, hat der Tod des thailändischen Tauchers (siehe auch ganz unten) den Kindern, aber auch anderen Tauchern, vielleicht das Leben gerettet. Ohne diese Tragik hätte das Militär die Führung vermutlich nicht abgegeben an diese Spezialtaucher. Und diese haben es ohne einen einzigen Verlust unter Rettern und/oder Geretteten geschafft! Wer weiß, was alles schief gelaufen wäre, wenn die Militärtaucher die unmittelbare Führung über das Tauchen gehabt hätten. Mit einer anderen Sichtweise müsste dessen Tod als überflüssig bezeichnet werden (siehe ganz unten).

Diese Rettung lief auch derart optimal ab, dass nahezu alle im Vorfeld geäußerten Bedenken ausgeräumt werden konnten. Kritisiert wurde von erfahrenen Höhlentauchern, dass die beiden britischen Höhlentaucher, welche die Kinder gefunden hätten, vom Militär zurückgedrängt würden und dieses zu „Hau-Ruck-Aktionen“ neigen würde. Man hat jedoch exakt diesen beiden britischen Höhlentauchern das Kommando übergeben, zumindest internationalen Medienberichten zufolge, und ist mit den Kindern jeweils in kleinen Gruppen bzw. einzeln getaucht, und man hat sie – ebenfalls Medienberichten zufolge – zumindest teilweise betäubt, damit keine Panik ausbrechen konnte, was die größten Bedenken beseitigen bzw. eindämmen konnte. Zugleich wussten diese Rettungstaucher, dass die gesamte Rettung von ihnen abhing und dass, wenn etwas schief gegangen wäre, es kaum eine Chance auf eigene Rettung gegeben hätte.

Hier sehen Sie ein Bild der beiden britischen Höhlentaucher, die auch die Kinder fanden, und zuvor schon andere Leben in schier aussichtslosen Situationen gerettet hatten. Beim Taucher, der sich auf diesem Bild im Vordergrund befindet, sieht man recht deutlich, dass dieser gedanklich schon in die Rettung „versunken“ bzw. bereits in sein „Wahlelement“, sozusagen seine Wahlheimat, „abgetaucht“ ist. Ohne diese „Heimatgefühle“ in diesen verwegenen Gefilden wären solche Leistungen von Menschen auch nicht zu vollbringen.

Traf der Film „Im Rausch der Tiefe“ (The Big Blue) bestimmt viele Klischees, so hat er dennoch aufgezeigt, wie sehr diese Extremtaucher, gleich ob diejenigen mit Gerät oder ohne, das Element Wasser „lieben“ und sich mit diesem quasi verbinden und fast alles andere für diese nebensächlich ist.

Und dennoch sind auch diese Menschen keine Fische und müssen – ähnlich wie Delphine – sehr achtsam sein und gut auf sich aufpassen. Diese „Freediver“, die ohne Gerät beim sog. „Apnoetauchen“ Tiefen-Weltrekorden hinterherjagen, suchen regelrecht ein tragisches Ende (es verunglücken viele unter den besten, siehe auch hier), wohingegen diese Rettungstaucher mit Gerät ihr Überleben unter Wasser niemals an Rekorden festmachen oder von Zufällen abhängig machen würden. Dass unter Wasser, so wie auch darüber, immer etwas schief gehen kann, darüber sind sich diese Extremtaucher bewusst. Durch ihre äußerste Gelassenheit unter Wasser und gute Planung bereits zu Land versuchen sie dieses Risiko zu minimieren.

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Der Autor dieses Beitrags, Dominik Storr, war selbst Tauchleiter und hat Höhlensysteme in Mexiko, die Cenoten von Yucatan u.a., betaucht. In einigen Bereichen dieser Höhlen „mischt“ sich das dort vorhandene Süßwasser mit dem Salzwasser der nahegelegenen Küste (siehe Grafik). Das besondere daran ist, dass dies zwei eigenständige Schichten bildet, da sich das Süßwasser auf dem Salzwasser „ablagert“ (sog. „Süßwasserlinse“). Dieses unterirdische Süßwasservorkommen, das eine gigantische Kulisse ist, sollen bereits die Maya als Brunnen benutzt haben. Cenote bedeutet „Heilige Quelle“. Dieses Süßwasser soll auch der Grund dafür gewesen sein, dass Yucatan in der Vergangenheit stets stark bewaldet war. Viele Teile dieser Höhlensystem sind noch quasi unerforscht. Erst jüngst soll dort eine Gruppe von Tauchern eine neue knapp 350 Kilometer lange Unterwasserhöhle entdeckt haben, berichtet der „Guardian“. Spezielle Taucherfahrungen erwarb der Autor zudem in Südafrika, wo er als Tauchleiter tätig war, und zuvor in Indonesien, wo er an den Drop-offs der Vulkaninseln zeitweise sehr tief getaucht ist, was eine gute Planung und ein besonders vernunftbasiertes Handeln unter Wasser voraussetzt. Da beim „tieferen Tauchen“ im Zuge des Aufstiegs mehrere sog. Dekompressionsstopps akribisch eingehalten werden müssen, sollten Tauchanfänger keine „Tieftauchgänge“ absolvieren.

Beim Tauchen ist Ruhe die erste Pflicht

Beim Tauchen ist eines das allerwichtigste. Die Ruhe. Wer seine Nerven unter Wasser verliert, ist stets in großer Gefahr. Gerade spezielle Rettungstaucher zeichnet aus, dass sie unter Wasser nichts aus der Ruhe bringen kann. Solange man ruhig ist und durch das Gerät atmen kann, kann einem auch nichts passieren. Und gerade, wenn es dunkel ist und man als Taucher nichts sehen kann, ist noch mehr Ruhe angesagt. Denn mit jeder hastigen Bewegung können in Höhlen – aber auch sonst wo – Körper oder Tauchequipment Schaden nehmen. Je ruhiger man ist, desto weniger Atemluft benötigt man aus dem Tank. Dadurch kann man auch länger tauchen. Menschen, die auf leichte Weise Platzangst verspüren können, sollten nicht tauchen. Denn jede Form von Tauchen kann Platzangst erzeugen, da man von der äußeren Luft abgeschnitten und in einem neuen Element beheimatet ist. Gerade beim Höhlentauchen ist Sicherheit und Ruhe höchste Pflicht. Manchen Tauchern macht es Spaß, wenn es richtig eng wird. Man kuschelt sich ja auch zu hause gerne in seiner Höhle unter die Decke. Andere Taucher bekommen bei derartig beengenden Situationen Platzangst. Es kommt somit auf den Taucher an. Spezielle Rettungstaucher, die selbst in Sümpfen oder eingestürzten Bohrinseln oder Gruben oder in gefluteten Kabinen von in Seenot geratenen Schiffen oder unter welchen „schrägen“ Bedingungen auch immer tauchen müssen, zeichnet aus, dass sie keine Platzangst verspüren. Sonst wären Rettungen, wie die in Thailand, auch nicht möglich. Und vermutlich können nur erfahrene Taucher erahnen, welche unglaubliche Leistung diese Rettungstaucher vollbringen. Viele der erfahrenen Taucher, die im Vorfeld vor dieser Rettungsvariante „warnten“, taten dies wohl zu recht deshalb, weil sie sich selbst nicht sicher wären, ob sie es schaffen würden. Dafür gibt es jedoch diese speziellen Rettungstaucher (und auch Höhlentaucher), die eine ganz andere Liga als „normale“ Taucher sind. Für diese gehören „Notsituationen“ zum Alltag. Es ist ihr Beruf, wohingegen „normale“ Taucher relativ selten „Notfälle“ haben (was positiv ist). Aber erst bei einem „Notfall“ bzw. absoluten „Extrembedingungen“ zeigt es sich , ob ein sog. „erfahrener“ Taucher auch wirklich „gut“ ist. Und diese Rettungstaucher, wie auch die Höhlentaucher, die dort bei der Rettung tätig sind, sind extrem „gute“ Taucher.

Die zweite Pflicht beim Tauchen ist das „Double“

Denn man sollte niemals alleine tauchen. Immer nur mit einem sog. „Buddy“. Selbst wenn einem die Luft ausgehen sollte, warum auch immer, könnte man dann zusammen mit dem Buddy, der über zwei Atemgeräte verfügt, einen sog. „kontrollierten Notaufstieg“ machen. In einer Höhle ist das natürlich viel schwieriger. Dennoch fragt man sich, wo bei dem in Thailand am 6. Juli verunglückten Rettungstaucher der Buddy war. Was ist genau passiert? War er gar alleine unterwegs, was bei einer derartigen Situation und langen Strecke tödlich enden kann? Man hat es nicht erfahren. Vielleicht neigen Taucher von den Thai NavySeals zu einem höheren Risiko. Er war auch ein Veteran und meldete sich freiwillig. Vielleicht war er übermotiviert oder erlitt einen Bewusstseinsschock. Seitdem spezielle Rettungstaucher vor Ort sind, hat es offenbar keine Probleme mehr beim Tauchen gegeben. Diese setzen auch primär auf Sicherheit und Teamwork, da dies der feste bzw. beste Anker für eine effektive Rettung ist.

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Um noch einmal nachträglich auf dieses Bild zurückzukommen, das die Taucher offenbar bei Beginn ihres Einsatzes zeigt. Der Taucher ganz vorne im Bild, wohl ein relativ junger Thai-Taucher von den NavySeals (auch diese können – quasi halb im oder unter Wasser aufgewachsen – sehr gut tauchen), scheint noch zu „beten“. Der Taucher davor kann es kaum erwarten, endlich unter dem Wasser zu sein. Und so blöd, wie das für einige klingen mag, so ist dann der Stress erst einmal vorbei. Man hört nur noch das beruhigende Geräusch des Luftholens durch das Gerät und man weiß, dass nun alle Taucher hochkonzentriert sind und die Hektik und das „Gelabere“ unter den vielen Helfern außerhalb des Wassers vorbei sind. Nun hat man „seine Ruhe“ sozusagen gefunden und man ist sich sicher, dass man von absoluten Spitzentauchern umgeben ist, die in diesem Moment das gleiche schwierige Schicksal teilen.

PS: Hier auf diesem Bild kann man drei weitere der Spezialtaucher vor Ort sehen. Es handelt sich um die Dänen Ivan Karadzic und Claus Rasmussen sowie den Kanadier Erik Brown, den man an seinen langen Haaren rechts auf dem Bild erkennen kann. Er schrieb auf Facebook: „9 days, 7 missions and 63 hours inside“ (siehe Presseartikel). Erik Brown ist spezialisiert in Sidemount Diving (auf diesem Bild zu sehen zusammen mit einem Schüler), das man gerade auch in Höhlen benötigt, um durch flache Passagen gelangen zu können und das Equipment nicht zu beschädigen, und erkundet zudem weltweit neue Tieftauchgründe und Schiffwracks. Der bereits oben im Text erwähnte Däne Ivan Karadzic soll in Thailand eine Tauchschule besitzen und auf Höhlentauchen spezialisiert sein. Claus Rasmussen bildet sog. DDI-Instructor aus, also Tauchlehrer, die mit Menschen mit körperlichen Behinderungen tauchen gehen (Disabled Divers). All diese Taucher meldeten sich freiwillig. Auch der Finne Mikko Paasi, der nicht nur unter Wasser trotz Spezialequipment und Extrembedingungen quasi wie ein Vogel „fliegen“ kann (hier abgebildet), sondern auch extra aus Malta eingeflogen war und u.a. auf  Tauchen in tiefgelegenen Schiffwracks spezialisiert ist. Auch ein deutscher Taucher aus Bad Tölz soll beteiligt gewesen sein. Und auf diesem Bild kann man sehen, dass das „Freaks“ sind. Dem Taucher im Vordergrund ist es völlig egal, ob seine Tasche voller Schlamm ist, was „normale“ Tauchtouristen bereits zum Aufgeben veranlassen könnte. Hauptsache, es geht zum Tauchen, um Menschen zu retten. Diese Extremtaucher freuen sich einerseits auf den Einsatz. Auf der anderen Seite sieht man ihnen auch an, dass sie es sehr ernst nehmen, weil es schwierig ist und vor allem auch weil ein Taucher auf der Strecke tödlich verunglückte.

Der Finne Mikko Paasi, der auf dem rechts geposteten Bild in der Mitte nach erfolgreicher Rettung zu sehen ist, sagte zur Presse, dass der Tod des SEAL-Tauchers der Gruppe bewusst gemacht hätte, wie gefährlich die Mission ist. Dass ausgerechnet kurz nach der erfolgreichen Rettung der Vater des Rettungstauchers bzw. Arztes Richard Harris in Australien verstarb, ist wohl ein Schicksal, das kaum zu fassen ist. Ein besonderes bzw. zusätzliches Problem soll gewesen sein, die Kinder vor der Unterkühlung zu bewahren. Die Aktion geleitet hätten, wie oben bereits erwähnt, die britischen Profi-Höhlentaucher Richard Stanton und John Volanthen, die noch thailändische und australische Spezialtaucher mit ins Team nahmen. Nicht zu vergessen sollen aber auch die übrigen Taucher und vielen Helfer sein, ohne die eine derartige Rettung ebenso nicht funktioniert hätte.

Beim Tauchen gibt es eine besondere Zeichensprache, da man sich unter Wasser nicht unterhalten kann. Wenn man den Daumen nach oben streckt, dann bedeutet dies jedoch nicht, wie über Wasser, dass alles okay bzw. gut ist, sondern dass man an die Wasseroberfläche aufsteigen möchte. Wenn unter Wasser alles „okay“ ist, dann macht man das „o“ mit den Fingern. Das verwechseln viele Anfänger in der Situation und dann weiß man als Tauchleiter zunächst nicht, ob sie aufsteigen müssen oder ob es ihnen gut geht. Aber meistens sieht man dies an dem Zustand des Tauchers recht deutlich.