Erfahrungen mit einer „Rippströmung“ (von Dominik Storr)

Brandungsrückströme (sog. Rippströmungen), wie links und unten im Bild abgebildet, verursachen nahezu 85 Prozent aller Ertrinkungsfälle an Stränden. In diesem Fall kam extrem erschwerend hinzu, dass die Hauptwellen zum Strand wegen einer abschüssigen Sandbank seitlich Richtung Rippströmung und Klippen abknickten bzw. abbogen.

Vorab. An einem Tag wie diesen sollte man nicht in den Ozean gehen. Es wäre jedoch wie die Tage zuvor wohl problemlos gutgegangen. Denn die Wucht des Wassers bringt einen normalerweise wieder recht zuverlässig an den Strand zurück. Sich in einer solchen Brandung mal etwas vom Salzwasser „durchwirbeln“ zu lassen, tut Körper und Seele gut. Und so ging ich auch an jenem Tag im Frühjahr 2017 direkt von meinen Gedanken am Schreibtisch in dieses Wasser hinein. An der gleichen Stelle, wie die Tage zuvor auch. Mit einem respektvollen Abstand zur Rippströmung im unteren Bereich des Strandes an den Klippen. Und hier machen sich jetzt eben diese drastischen Strandveränderungen in der Bretagne bemerkbar, so dass man dadurch sehen kann, dass auch Schwimmer davon bedroht werden.

Denn über Nacht bildete sich dort eine – auch noch seitlich abknickende und stark abschüssige – Sandbank vor dem Strand. Das Wasser im direkten Strandbereich riss mich daher wie ein wilder Fluss umgehend in den Bereich der Klippen hinab mitten in den Hauptstrom der Rippströmung. Das ist die Brandungsrückströmung, die ich unbedingt meiden wollte. Hier findet das anrauschende Wasser wieder den Weg hinaus ins Meer. Auch derartiges lässt sich normalerweise mit Ruhe und Gelassenheit lösen, indem man langsam aus dem Bereich der Rippströmung herausgeht und mit der Hauptströmung zurück zum Strand schwimmt. Durch die seitlich wegknickende Sandbank knickten jedoch auch die Hauptwellen seitlich ab. Diese Hauptwellen sind gewöhnlich die Kraft der Natur, die einen in solchen Situationen wieder zurück zum Strand bringen können. In diesem Fall wurden diese Hauptwellen zum „Hauptproblem“, da sie einen direkt an die dort recht spitzen Klippen drückten. Zudem war es kaum möglich, aus der Rippströmung herauszukommen, weil die seitlich abknickenden Wellen einen dort quasi „gefangen“ hielten. Die Rippströmung lief vom Strand weg die Klippen entlang ins Meer hinaus. Gleichzeitig schlugen die Wellen aus allen Richtungen über einen ein, weil sie von den Klippen abprallten und zurück- und querliefen. Da es einem in solchen Momenten somit ständig das Wasser über dem Kopf zusammenschlägt (siehe hierzu noch das „Surfer/Jetskier-Video“ ganz unten), schluckt man bei derartigen Situationen in der Regel automatisch viel Wasser. Man hat zwischen den vielen brechenden Wellenwalzen so gut wie keine Zeit, anständig Luft zu holen. Und viel „Wasserschlucken“ (in den Magen) ist meist der Vorbote zum Ertrinken. Auch, weil man mit jedem Schluck Wasser schwerer und müder wird. Aber auch zuweilen wütender und geduldloser, mit dem man umgehen muss, um überlebenswichtige Kraft einzusparen.

Also, was macht man in solch schier aussichtslosen Situationen? Man schützt seinen Kopf mit beiden Armen vor den spitzen Klippen. Man schaut, dass man eine ausreichende Distanz zu den Klippen aufbauen und einhalten kann. Das ist erst einmal das Wichtigste. D.h. den Felsen aus dem Weg zu gehen. Kopfverletzungen können einen bewusstlos machen. Dadurch würde man sofort ertrinken. Das zweite ist, dass man versucht, nicht zu weit Richtung Meer abzutreiben, weil ansonsten der Weg zurück zum Strand immer länger wird. Und dann muss man auf „die Lücke“ hoffen und warten, während man ein Spielball der brechenden Wasserwirbel- und wellen ist. Hier dreht es sich erst einmal nicht um „Rückweg“, sondern um Stabilisierung (d.h. zu überleben). In diesem Fall bedeutete dies, dass man warten musste, bis diese seitlich wegknickenden Wellen etwas nachließen, damit man aus diesem „Teufelskreis“ ausbrechen konnte. Das gelang zweimal. Doch der Umweg zum Strand war jeweils nicht weit genug (auch weil an diesem Tag nahezu der gesamte Strandbereich eine einzige Rippströmung war). Die Rippströmung schlug daher erneut zu und man landete wieder in etwa dort, wo man mühevoll herkam. Spätestens ab diesem Moment war mir völlig klar, warum so viele Menschen in diesen Rippströmungen ertrinken. Sie geben vermutlich früher oder später auf, selbst wenn sie all dies eine zeitlang überleben können und nicht sofort ertrinken. Im dritten Anlauf, einen vierten sollte es angesichts des enormen Kraftverlustes nicht mehr geben, war der Umweg zum Strand schließlich ausreichend groß genug, um aus der Hauptrippströmung herauszukommen. Am Strand angekommen, bricht man über den Beinen zusammen, weil die Beine vor Erschöpfung wie weicher Gummi wegknicken (siehe auch den geretteten Surfer im nachfolgenden Video ab Minute 1:28). Da ich das wusste, hatte ich mich sofort „freiwillig“ hingelegt. Das ist ein relativ deutliches Zeichen dafür, dass man fast ertrunken ist, weil einem die Kraft in diesem langen Zeitraum, in dem man diesen Extremen ausgesetzt war, abhandengekommen ist.

In diesem Zeitraum ging mir übrigens sehr viel durch den Kopf. Aber nur, was mit dieser Situation zu tun hatte. Auch wenn es manche vielleicht nicht glauben mögen. Meine größte Sorge war in dieser Zeit gewesen, dass einer der (wenigen) Beobachter auf die „glorreiche“ Idee gekommen wäre, zu mir ins Wasser zu springen, um zu „helfen“. Ohne Neoprenanzug, den ich trug, und der auch etwas vor den Felsen schützt und einen auf dem Wasser stabilisiert und den Körper wärmt, hätte ich diesem „Helfer“ vermutlich bzw. mit Sicherheit helfen müssen – und dann wäre es unter Umständen wegen meiner Leichtsinnigkeit für beide schiefgegangen. Mir sind zudem viele Fälle bekannt, bei denen „nur“ der „Helfer“ ertrunken ist, auch weil der Betroffene sich an die widrigen Umstände schon etwas anpassen konnte und der „Helfer“ davon überrascht wird. Das ging mir oft durch den Kopf. Auch weil ich sofort wusste, dass es eine zeitlang dauern wird, bis ich wieder Land unter den Füßen haben werde. Und diese erforderliche Zeit könnte missverstanden werden bzw. Sorge oder sogar „Panik“ bei Beobachtern auslösen, die dann eingreifen und sich dadurch selbst in große Gefahr bringen würden. Stellen Sie sich doch bloß vor, Sie klettern als kinderloser „Single“ gerade noch so aus dem Wasser, und ein Familienvater ist wegen Ihnen ertrunken, während dessen Frau und Kinder auch noch zusehen (mussten). Es reicht aus, dass ich hier „gefangen“ bin. Bitte nicht noch ein anderer. Das waren meine Hauptgedanken. Es war auch kein Raum zur Rettung vorhanden. Mit jedem Sprung ins Wasser wäre dort aus einem „Helfer“ automatisch ein weiterer „Notleidender“ geworden. Das ist normal in solchen Situationen. Hier hatte ich gezeigt, wie schnell aus einem „Profi-Helfer“ ein zusätzlicher „Notleidender“ wird, nur weil er vom Jetski fällt: Fais-le bien, ma petite chérie – Von Tauben, Delpinen, Haien und Menschen. Das einzige, was in meiner Situation möglich gewesen wäre, dass man als „Retter“ einen tatsächlich Ertrinkenden an bzw. auf die Klippen bringt und dabei dessen und sein eigenes Leben oder zumindest schwerste Verletzungen riskiert.

Ohne Neoprenanzug, den ich wegen des Plastiks am Körper eigentlich überhaupt nicht tragen mag, aber aufgrund der noch kühlen Jahreszeit tragen musste, und ohne die notwendige Gelassenheit im Wasser, die ich als (ehemaliger) Taucher „erlernen“ und „ausbauen“ durfte – und die wohl lebensentscheidend in solchen Situationen ist – wäre das somit vermutlich schiefgelaufen.

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Dieses Video zeigt eine ähnliche Situation, wobei hier die Hauptwellen relativ glatt zum Strand zurückführen und die Rippströmung etwas neutralisieren, da die Wellen nicht seitlich abknicken. Dennoch kann man deutlich sehen, wie schwer sich die beiden Männer im Wasser tun, obwohl sie Surfbretter haben und das Meer nicht ganz so stürmisch ist:

Genau dies ist ein Brandungsrückstrom bzw. Rippstrom. Wobei diese Bezeichnung etwas untertrieben ist, weil es schön wäre, wenn so etwas nur eine einzige Rückströmung wäre. Da arbeiten weger der Felsen ganz viele Strömungen auf einmal. Wäre in diesem Fall die Strömung noch etwas stärker gewesen, hätte der zweite Surfer, obgleich er ein sehr starker ist, vermutlich auch seine Kraft verloren. Dies kann man am Ende recht deutlich erkennen. Den kürzesten Weg zurück zum Strand zu suchen, und damit dann auch meist gegen die Rippströmung anzukämpfen, ist daher in solchen Situationen zwar menschlich (wir sind schließlich keine Fische), jedoch meistens fatal. Stattdessen sollte man erst einmal relativ ruhig bleiben und für Stabilität sorgen (siehe oben). Erstens, um keine unnötige Kraft zu verlieren, bevor die „Strategie“ für den Rückweg steht. Zweitens, um übermäßiges „Wasserschlucken“ zu verhindern. Drittens, um überhaupt erst einmal sehen und am eigenen Körper spüren und erleben zu können, in was für eine Form von „Hinterhalt“ man da unverhofft geraten ist und wo diese Hauptwirbel einen in etwa hinführen, um aus diesen Beobachtungen und Überlegungen heraus den Weg zurück zum Strand, wo man ja ursprünglich auch hergekommen ist, zu eruieren. Gut kann man hier auch sehen, dass ein „Ausgang“ über die Klippen kaum möglich bzw. äußerst schmerzhaft wäre. Und an den schlaffen Beinen des geretteten Surfers kann man erkennen, wie erschöpft dessen Körper ist. Steigen Sie mit diesen Beinen einmal über die Klippen aus. Sie werden von den Wassertürmen einfach abgeräumt. Man kann auch sehen, dass man bis zum allerletzten Meter am Strand achtsam sein muss, um nicht wieder zurückgezogen zu werden. Hinzu kommt, dass diese weiße Gischt überwiegend aus Luft besteht. Man findet somit auch keinen ausreichenden Widerstand, um effektiv schwimmen – bzw. hier paddeln – zu können. Dies kann man ebenfalls in diesem Video erkennen.

 

Ähnliches könnte übrigens auch Ihnen beim Badeurlaub passieren. Entsprechende Verhaltensregeln sollte man daher kennen. Da dies aber oft nicht der Fall ist, ertrinken jedes Jahr unzählige Menschen im europäischen Atlantik. Ich hatte das damals recherchiert und war wirklich überrascht von der sehr hohen Zahl. Wichtig in derartigen Situationen ist zudem, seine Lunge als Schwimmweste zu benutzen. Je mehr Luft in der Lunge ist, desto stabiler liegt man auf dem Wasser. Aber selbst das vergessen viele Betroffene in solchen Situationen, was auch verständlich ist, denn viele Menschen bekommen bei Notfällen im Wasser Panik. Die wenigsten Strömungen ziehen einen jedoch unmittelbar und komplett unter das Wasser (ich habe das bisher noch nicht erlebt). Dies wird zwar oft behauptet, es sind jedoch zumeist ganz lapidare Dinge, warum so viele Menschen ertrinken.

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Und danach? Das erste, was ich realisierte, als ich wieder das ersehnte Land „betrat“, war, dass man dieses erst einmal nur liegend von unten betrachten kann bzw. sollte. Den Beinen zuliebe, die einen gerettet haben und restlos erschöpft sind. Und das zweite war so eine Art von „Schamgefühl“, das aufkam, weil ich mich dafür geschämt hatte, mich vor Zeugen (die ich womöglich in Gefahr hätte bringen können; siehe hierzu oben) in eine derart gefährliche (fast aussichtslose) Situation zu bringen. Die Tage danach benötigte ich, um den Wärme- und Kraftverlust wieder auszugleichen. Das Positive – neben der wichtigen Erfahrung – war, dass ich mich hinterher eine zeitlang gefühlt hatte, als wäre jede einzelne Zelle des Körpers vom Wasser durchspült worden. Die Wucht des Wassers war fundamental und in dieser Form für mich – trotz der vielen Erfahrungen – bis dato neu. Wer gegen diese „Gewalt“ von Wasser ohne Verstand blind „ankämpft“, stirbt unweigerlich (Ermüdung). Das Wasser dominiert einen. Das muss bzw. sollte man in derartigen Situationen sofort anerkennen, um keine unnötigen Kräfte zu verlieren. Das waren auch meine Gedanken danach. Und dass ich kurz davor war, diese seitlich abknickenden Wellen „zu hassen“, weil sie unerbittlich waren und zunächst überhaupt keine „Rücksicht“ auf meine ohnehin fast aussichtslose Situation nahmen. Sie wollten nämlich eine Weile nicht nachlassen. Diese Gedanken verwarf ich jedoch recht schnell, weil Feindschaft mit dem Wasser in solchen Situationen noch verheerender ist.

Und ich erinnerte mich daran zurück, dass mich ein Einheimischer zuvor gewarnt hatte, dass dies der gefährlichste Bereich am gesamten Kap sei, was mir bewusst war, weil dies der Hauptströmungsstrand am Kap ist. Während der aus dem Westen anrauschende Ozean sich an der noch etwas westlicher gelegenen und bei Touristen bekannteren (spitzen) Pointe du Raz eher noch elegant „vorbeischlängelt“, prallt dieser im ganz oben abgelichteten Bereich erstmals in Europa mit seiner vollen Wucht richtig auf Land. Auch die Strömung des Ärmelkanals mischt hier noch mit. Die Klippen schnüren den Strand ein. Das Wasser muss wieder raus. Und all dies kann natürlich enorme Wasserkräfte entfalten. Daher mögen auch die Surfer jenen naturbelassenen Strand. Dort darf man sich ein bisschen wie in Afrika heimisch fühlen. An jenem Tag meideten die Surfer jedoch das Wasser.
 

 

Hilfreich war wohl, dass ich früher ein geübter Taucher war und „normales“ Schwimmen eigentlich nie richtig gemocht hatte und dadurch eine etwas singuläre Schwimmweise entwickelt habe. Kraulen ist mir zu eintönig und im Meer ein einziges Geplantsche. Beim Brustschwimmen fühle ich mich zu sehr außerhalb des Wassers und etwas „steif“. Und im Meer ständig auf dem Rücken rückwärts zu schwimmen, kann nicht ganz ungefährlich sein und mag auch nicht jeder. Mit Flossen kann das über lange Strecken sehr bequem sein. Ich habe mir daher eine Schwimmmethode im Meer angeeignet, bei der mein Kopf mehr unter als über Wasser ist, und ich den größeren und vor allem gleichmäßigeren Widerstand unter Wasser nutze, um mich im Meer fortzubewegen (als „Freitauchen“ würde ich diese Methode nicht bezeichnen wollen, da es mir dabei nicht um Tiefe geht und ich meist keine Maske und Flossen anhabe). Ich fühle mich im Meer unter Wasser auch wesentlich sicherer als auf dem Wasser, wo man als Mensch in meinen Augen – zumindest im Meer – eine Art „Fremdkörper“ ist. Das kam mir wohl in dieser Situation gelegen, weil ich dadurch kein Problem damit habe, wenn mein Kopf unter Wasser gedrückt wird. Bei vielen Menschen erzeugt dies Panik, was unweigerlich – ohne Rettung – zum Ertrinken führt. Zudem kostet es zusätzliche Energie, seinen Kopf in einer derartigen Situation, wie oben beschrieben, ständig über Wasser zu halten, soweit dies überhaupt möglich ist (siehe noch nachfolgendes Video). Vermutlich ertrinken diejenigen am schnellsten, die diesen „Zwang“ verspüren, auch weil sie dadurch mehr Wasser schlucken und wohl auch leichter zur Panik oder unkontrollierten Aktionen neigen. Als Kind im Becken bin ich schon lieber mehr unter das Wasser als auf das Wasser gegangen. Ganz darin „untergehen“ sollte man allerdings nicht!

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Und jetzt möchte ich hier zum Abschluss doch noch einmal unmittelbar auf dieses bereits oben angesprochene „Surfer/Jetskier-Video“ hier hinweisen, auch wenn ich mit dessen Titel und der eigens inszenierten Sensationsgier natürlich nicht einverstanden bin. Es zeigt jedoch gut, was ich oben bei den „Verhaltensempfehlungen“ ansprach. Der Betroffene im Wasser an den Klippen in der Strömung verhält sich genau richtig, während er auf Hilfe wartet (ab Minute 2:10). Er verzichtet auf hektische Bewegungen oder gar ein „Ankämpfen“ gegen das Wasser und geht bei den andonnernden Wasserwirbeln mit dem Kopf freiwillig unter Wasser. Bei einer heranrauschenden „Walze“ hat er bereits die nächste im Blick, um dazwischen schnell atmen zu können (ca. Minute 2:15). Das ist wichtig bzw.sogar entscheidend in solchen krassen Situationen an den Klippen! Und dazu benötigt es Überblick (in alle Richtungen) und einen kühlen Kopf, wie oben beschrieben. Das macht er gut. Er ist auch ein Profi. Und er weiß natürlich um die herannahende Rettung. Andernfalls müsste er sich Gedanken machen, wie er an den Strand zurückkäme. Der „Jetskier“ als bereits zweiter „Retter“ macht – wie der erste „Jetskier“ zuvor auch – einen Fehler, indem er bei Minute 2:16 gleich in die erste brechende Welle hineinfährt und aus ihm dadurch fast ein weiterer und somit dritter „Notleidender“ geworden wäre. Das ging gerade noch gut. Anschließend ist er wach und wartet vernunftsgemäß, bis es zwischendurch mal etwas nachlässt, und diese Gelegenheit sollte man dann auch als „Schwimmer“ nutzen.

Bei starken Rippströmungen ohne Felsenbeteiligung sollte man ebenfalls nicht gegen diese ankämpfen, sondern versuchen, sich allmählich aus deren Zentrum herauszubewegen (also mit einem etwas schrägen Winkel), um relativ kraftsparend wieder in den Bereich der Hauptströmung zu gelangen, mit deren Hilfe man es zurück zum Strand schaffen könnte. Auch hier dürfte gelten, keinen zu kurzen „Umweg“ zu riskieren, weil man andernfalls wieder mit der Strömung herausgetragen werden kann, was enorm viel Kraft kostet.

Wenn auf diesem Hinweisschild empfohlen wird, senkrecht aus der Rippströmung zu schwimmen (also direkt parallel zum Strand), dann kann das gut gehen (dabei kommt es auf den Einzelfall an, also wie die Umstände vor Ort sind und vor allem wie breit und stark die Strömung ist). Muss aber nicht. Denn dieser Winkel nah am Strand, wo die Strömung meist am stärksten ist und quasi nur aus ihrem Kern besteht, kostet Kraft, wenn die Rippströmung breit und/oder stark ist. Gelingt dieser Weg nicht, fehlt dann meist die Kraft für einen zweiten Versuch und man ertrinkt. Aber das muss jeder selbst im Einzelfall entscheiden, wenn er in eine solche Strömung gerät.

 
Mein Slogan hierzu lautet: „Stay cool, do not rely on human help and, if possible, use the power of the sea.“

Wohl am meisten gelernt im Wasser habe ich von „normalen“ Fischen an strömungsreichen Riffen. Denn als beginnender Schnorchler und Taucher fragte ich mich immer, wie diese es nur schafften, dort zu leben und niemals auf das Riff aufzuschlagen. Selbst dann nicht, wenn diese schliefen bzw. schlummerten. Ich beobachtete, wie diese Rifffische mit den einzelnen Strömungen hin- und herspielten und die Kraft meist herausnahmen, um ein gleichwertiger Bestandteil des Wassers in diesen vielen Wirbeln zu sein. Der Mensch neigt wohl eher dazu, Probleme im Wasser mit seiner Kraft lösen zu wollen. Wasser kann aber stärker sein. Und das wissen natürlich auch die Fische und „tanzen“ daher zwischen den einzelnen Strömungen umher, ohne dabei große Kraft einsetzen zu müssen. Wir sind zwar keine Fische (auch keine Delphine). Und dennoch könnten wir von ihnen etwas lernen. Dann würden wohl auch weniger Menschen ertrinken.
 


 

Vielleicht interessiert Sie auch mein Kommentar zum Höhlendrama in Thailand aus Sicht eines ehemaligen Tauchers. Noch mehr über Wasser und Tauchen, aber auch Delphine & Co., finden Sie hier: Fais-le bien, ma petite chérie – Von Tauben, Delpinen, Haien und Menschen.