Geo-Engineering-Experimente: Die politischen Führer sind nervös

Von Raphael Schaad

Ohne zu Wissen, was auf mich zukommt, ging ich heute gezielt zu einer Aktion der Bürgerinitiative „Sauberer Himmel“, die mir zwar vorher ein Begriff war, mit der ich jedoch vorher noch nie Kontakt hatte. Eine Stunde vorher habe ich von der Aktion erfahren, ich hatte zufällig Zeit und ging zu meinem Campus, wo ich schnell die Aktivisten fand und ein wenig mithalf, den vorbeilaufenden Studenten Flyer in die Hand zu drücken. Grund für die Aktion war ein Symposium am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz über Climate Engineering, genauer „IMPLICC Final Symposium: The Atmosperic Science and Economics of Climate Engineering via Aerosol Injections“.

Aufgrund meiner Ortskenntnisse ging ich mit Dominik Storr zu dem Veranstaltungsort ohne große Hoffnungen, dort hineingelassen zu werden. Aber doch, nach einiger Wartezeit meldete sich die Pförtnerin und ließ uns hinein und zeigte uns noch den Weg zum Seminarraum 2, in dem Adam Millard-Ball vom Department of Geography and McGill School of Environment in Montreal zu diesem Zeitpunkt einen Vortrag mit dem Titel „Economics of CE“ (Climate Engineering) hielt. Dort trauten wir uns zunächst noch nicht hinein. Zunächst studierten wir in einem Vorraum allerhand wissenschaftliche Plakate, die Ergebnisse diverser Studien in diesem Bereich zusammenfassten. Als dann ein Teilnehmer sich einen Kaffee holte, gingen wir dann doch hinein und wurden später sogar als Gäste begrüßt mit dem Hinweis, der allen Teilnehmern wohl schon bekannt war, dass sie um äußerste Transparenz bemüht seien, falls wir jedoch etwas zitieren würden, müssten wir die einzelnen Personen um Erlaubnis bitten.

Im Raum angekommen, suchten wir uns einen Platz, lauschten den Rednern und machten Notizen. Besprochen wurde alles in allem wenig, ob man Climate Engineering betreiben solle, sondern eher wie wer für welche Zwecke es bitte unter welchen vertraglichen Bedingungen zu tun hat. Zunächst ging es um die Kosten und dem Nutzen von Geo-Engineering für unterschiedliche Länder und die Bündelung dieses Wissens in diversen Strategien, die spezifische Argumentationen für Länder enthielten, um auf deren spezifische Eigenheiten am Besten einzugehen. Daran anschließend ging es um die Möglichkeiten und Probleme, internationale Verträge zu schließen, in denen Länder sich verpflichten Geo-Engineering zu betreiben.

Zum Schluss ging es in dem Vortrag noch um die Implikationen für Forschung und Politik. Insbesondere ging es darum, dass sich die Forschung in ihren Modellen nicht darauf beschränken solle, nur eine bestimmte Durchschnittstemperatur wiederherzustellen oder das Klima zu optimieren, sondern sie solle andere Faktoren mit einbeziehen: Würden China oder die USA Geo-Engineering nutzen, um ihren Nettonutzen zu maximieren? Wie würden konkurrierende Geo-Engineering-Modelle miteinander interagieren? Könnten Geo-Engineering-Gegenmaßnahmen angewendet werden? Darüber hinaus sollten alle Kosten von unterschiedlichen Geo-Engineering-Modellen identifiziert werden, die direkten und die indirekten. Die Implikationen für die Politiker lauteten: Ist Geo-Engineering nachweisbar? Außerdem soll eine größere Vielfalt an Möglichkeiten für die Erzwingung von Klima-Abkommen erwogen werden.

Anschließend fanden noch zwei Diskussionsrunden statt, in denen kritische Stimmen, die vielfach die mangelnde Zustimmung in der Bevölkerung oder die hohen Umwelt- und Gesundheitsrisiken ansprachen, zu Wort gelassen, allerdings durch David Keith von der University of Calgary teils recht energisch zurückgewiesen wurden. Erwähnt wurde auch der Punkt, dass die politischen Führer in Anbetracht der aktuellen Experimente nervös sind, da die Bevölkerungen noch nicht vorbereitet sind. Diskutiert wurde auch inwieweit man Geo-Engineering als Waffe einsetzen kann, was aber wohl nur als Verteidigungsoption und nicht als Angriffsoption zur Verfügung stehe. Alles klar.

Nach dem Symposium habe ich die Chance genutzt, um David Keith zur aktuellen Lage des Geo-Engineering zu befragen. Ich fragte ihn, in welchem Umfang Cloud-Seeding schon stattfindet, da wir häufig in Deutschland diese Frage gestellt bekommen. Dies würde in China in recht großem Umfang praktiziert, in den USA in begrenztem Maße und in Europa seien ihm solche Experimente nicht bekannt. Allerdings schlagen zur Zeit wohl viele Cloud-Seeding Experimente fehl, was für ihn aber auf Nachfrage kein Anlass sei, nicht weiter damit zu experimentieren. Aus dem Gespräch ging leider nicht ganz eindeutig hervor, was David Keith unter dem Begriff des Cloud-Seeding verstanden hat. Dieser Begriff ist rechtlich leider nicht eindeutig geklärt. Es kann das Säen von Wolken durch die Ausbringung von Partikeln in der Atmosphäre, aber auch das Zerregnenlassen von Wolken bedeuten. Ich vermute, er hat professionell, wie er zu sein scheint, die harmlosere Variante verstehen wollen, um nicht zu geheimen Versuchen Auskunft erteilen zu müssen.

Was mir dieser Tag gezeigt hat ist:

– Geo-Engineering ist extrem real
– Es gibt noch viele Forscher, die nicht überzeugt sind von den Experimenten
– Das Bewusstsein in der Bevölkerung muss wachsen, bevor man der Bevölkerung Stück für Stück erklären kann, dass das, was vorgeht, gut für sie sei
– Aktivist zu sein macht Spaß